Wer in Vorarlberg ein Hotel sucht, findet es. Ob er es auch buchen kann, ohne den Umweg über ein Portal zu nehmen, ist eine andere Frage.
Wir haben das im August 2026 ausgezählt, nicht geschätzt. Grundlage sind alle 470 Betriebe, die in Vorarlberg als Hotel erfasst sind. 359 davon haben eine hinterlegte Website, 344 waren am Erhebungstag erreichbar. Für jedes dieser Häuser haben wir geprüft, ob auf der eigenen Seite eine Buchung abgeschlossen werden kann.
237 Häuser können das, das sind 68,9 Prozent. Bei 63 Betrieben endet der Weg bei einem Anfrageformular. 20 verweisen auf ein Buchungsportal, ohne selbst eine Strecke anzubieten. Zusammen sind das 83 Häuser oder 24,1 Prozent. Bei weiteren 24 liess sich nicht abschliessend klären, ob eine Buchung möglich ist. Die belastbare Spanne liegt damit zwischen 24 und 31 Prozent.
Bei Gasthöfen und Pensionen ist das Bild deutlicher. Von 246 geprüften Betrieben nimmt nur die Hälfte eine Buchung auf der eigenen Seite entgegen.
Wo es am häufigsten fehlt
Der Befund verteilt sich nicht gleichmässig. Nach Sternekategorie:
| Kategorie | geprüft | mit eigener Buchungsstrecke |
|---|---|---|
| 3 Sterne | 41 | 63,4 % |
| 4 Sterne | 115 | 72,2 % |
| 5 Sterne | 10 | 80,0 % |
Je kleiner das Haus, desto seltener kann es selbst buchen lassen. Das ist die unangenehme Seite des Befunds, denn die Provision belastet dieselben Häuser am stärksten.
Was das kostet
Buchungsportale verlangen in Österreich einen Standardsatz von 15 Prozent, Zusatzprogramme für bessere Platzierung kosten rund drei Prozentpunkte mehr. Wir rechnen durchgehend mit 15 Prozent, also der Untergrenze.
Nach der letzten europäischen Vertriebserhebung laufen in Österreich 25,7 Prozent der Buchungen über Portale. Ein 3-Sterne-Haus mit den Medianwerten der österreichischen Hotellerie kommt damit auf rund 30.000 Euro Provision im Jahr, ein 4- oder 5-Sterne-Haus auf rund 77.500 Euro.
Diese Beträge lassen sich in der Sprache des Betriebs ausdrücken. Der Gesamterlös eines Zimmers liegt im 3-Sterne-Bereich bei 40.782 Euro im Jahr. Die Jahresprovision entspricht also drei Vierteln dessen, was ein Zimmer im ganzen Jahr einbringt. Im 4- und 5-Sterne-Bereich, wo ein Zimmer 58.715 Euro erlöst, ist es ein ganzes Zimmer und noch ein Drittel dazu. In einem Haus dieser Grössenordnung arbeitet also mehr als ein Zimmer das ganze Jahr ausschliesslich für die Vermittlung.
Für die Vorarlberger Hotellerie insgesamt ergibt dieselbe Rechnung eine Grössenordnung von rund 14 Millionen Euro Vermittlungsprovision im Jahr. Das ist eine Hochrechnung mit konservativ gewählten Annahmen, der Rechenweg steht offen. Mit den tatsächlichen Ausgaben der Gäste für die Unterkunft gerechnet, kommt man auf etwa 18,6 Millionen.
Der Punkt, der in keiner Kostenrechnung steht
Eine Provision ist keine Marketingausgabe. Sie ist eine Umsatzbeteiligung, und die beiden verhalten sich wirtschaftlich entgegengesetzt.
Eine Marketingausgabe ist gedeckelt und steuerbar. Wer das Budget kürzt, zahlt weniger. Eine Umsatzbeteiligung wächst mit dem Erfolg des Betriebs, ohne dass die Gegenleistung mitwächst. Ein Haus, das seine Auslastung um zwanzig Prozent steigert, zahlt zwanzig Prozent mehr Provision für dieselbe Vermittlungsleistung. In der Buchhaltung steht das oft unter Werbung. Dort gehört es nicht hin.
Dazu kommt, wo die Provision anfällt. Nach dem Tourismus Monitor Austria sind 68 Prozent der Sommergäste und 78 Prozent der Wintergäste Stammgäste. Diese Zahl gilt österreichweit, nicht für Vorarlberg allein, aber die Grössenordnung ist eindeutig: Ein grosser Teil der Provision wird für Gäste gezahlt, die den Betrieb längst kennen. Vermittelt wird da nichts mehr. Bezahlt wird trotzdem.
Und noch etwas fällt auf. Nur 24 Prozent der geprüften Hotelseiten verlinken überhaupt auf ein Portal. Die meisten Häuser ohne eigene Buchungsstrecke schicken ihre Gäste also nicht aktiv dorthin. Die Gäste landen dort von selbst, weil sie sonst nirgends buchen können. Der Vertrieb wurde nicht ausgelagert, er ist abgewandert.
Was das ehrlich dagegen spricht
Portale liefern Nachfrage, die ein einzelnes Haus nicht erreicht. Für einen kleinen Betrieb ohne Marke können 15 Prozent günstiger sein als der Aufbau eigener Nachfrage. Wer daraus ableitet, jede Portalbuchung sei verlorenes Geld, rechnet falsch.
Die Frage ist deshalb nicht, ob ein Betrieb Portale nutzt. Die Frage ist, welcher Anteil seiner Buchungen dort läuft und ob er diesen Anteil je bewusst festgelegt hat. Wer keine eigene Buchungsstrecke hat, hat ihn nicht festgelegt. Er ergibt sich.
Die Frage für die Geschäftsführung
Nicht: Fehlt uns ein Buchen-Knopf. Sondern: Wie hoch ist unsere Vertriebskostenquote, wie hat sie sich in fünf Jahren entwickelt, und welchen Anteil davon zahlen wir für Gäste, die wir schon hatten. Wer diese drei Zahlen nicht nennen kann, entscheidet an dieser Stelle nicht, sondern schaut zu.
Grundgesamtheit. Alle in OpenStreetMap für das Bundesland Vorarlberg erfassten Betriebe mit der Kennzeichnung `tourism=hotel` (470) beziehungsweise `tourism=guest_house` (532), abgerufen am 19.08.2026 über die Overpass-Schnittstelle. Die amtliche Statistik weist die Zahl der Hotelbetriebe nicht zugleich nach Bundesland und Kategorie aus. Rechnerisch ergeben 36.340 Hotelbetten in Vorarlberg bei der österreichweiten Durchschnittsgrösse von 56,9 Betten je Betrieb rund 640 Häuser. Die Erhebung deckt davon etwa drei Viertel ab.
Erhebung. Am 19.08.2026 wurde für jeden Betrieb die hinterlegte Website abgerufen, dazu bis zu drei Unterseiten, deren Adresse oder Beschriftung auf Buchung deutet. Als eigene Buchungsstrecke zählt, wenn eine der gängigen Buchungsmaschinen eingebunden ist, wenn eine eigene Buchungs-Subdomain besteht, oder wenn strukturell eine Belegungsabfrage vorliegt, also ein eingebettetes Fenster auf fremder Domain oder ein Formular, das Anreise, Abreise und Personenzahl abfragt. 221 der 237 Treffer beruhen auf einer erkannten Buchungsmaschine, 16 auf dem strukturellen Merkmal.
Auswertungsmenge. 344 Hotels und 246 Gasthöfe, deren Website erreichbar war. Alle Anteile beziehen sich auf diese Menge, nicht auf die Gesamtzahl der Betriebe.
Was nicht geprüft wurde. Ob eine vorhandene Buchungsstrecke funktioniert, ob sie auf dem Handy bedienbar ist und zu welchem Preis dort gebucht wird. Ob ein Betrieb ohne hinterlegte Website eine hat, die nur nicht eingetragen ist. Wie hoch der Portalanteil eines einzelnen Hauses tatsächlich ist, das ist von aussen nicht messbar.
Wo die Erhebung an ihre Grenze stösst. Die Zuordnung erfolgt maschinell. Eine Stichprobe wurde von Hand nachgeprüft, dabei traten in zwei Runden übersehene Buchungsmaschinen zutage, die anschliessend ergänzt wurden. Bei 24 Hotels blieb die Einstufung offen, sie sind als solche ausgewiesen und nicht den Häusern ohne Buchungsstrecke zugeschlagen. Betriebe, die in OpenStreetMap fehlen, sind tendenziell kleiner und schwächer digitalisiert. Die Dunkelziffer arbeitet damit gegen den hier gezeigten Anteil, nicht für ihn.
Zahlen aus fremden Quellen. Nächtigungen, Betten und Auslastung von Statistik Austria (Tourismusjahr 2024). Betriebskennzahlen der ÖHT für 2023. Vertriebsanteile aus der HOTREC European Hotel Distribution Study 2022 für das Jahr 2021, einer Befragung von 299 österreichischen Betrieben. Gästeausgaben und Stammgastanteile aus dem Tourismus Monitor Austria. Die Bettenauslastung nach Unterkunftsart liegt nur österreichweit vor, das ist die grösste Unschärfe der Hochrechnung.




