Mit viel digitaler Liebe erstellt von Starsmedia.com
Jeder, der sich ernsthaft mit SEO beschäftigt, kennt das Szenario: Du öffnest dein Backlink-Profil in Ahrefs und findest hunderte Spam-Domains, die auf deine Seite verlinken. Directory-Netzwerke, PBN-Cluster, Fake-Linkbuilding-Services. Der erste Impuls ist klar - aufräumen, disavowen, Google signalisieren, dass du mit diesem Müll nichts zu tun hast.
Aber ist das 2026 noch die richtige Reaktion? John Muller meinte ja vor kurzem "Most Sites Don't Need To Disavow Links But That's Not All Sites". Wir haben es an unserer eigenen Domain getestet und die Ergebnisse sind ernüchternd klar.
Im Rahmen eines routinemässigen Backlink-Audits haben wir das komplette Linkprofil von starsmedia.com analysiert: 478 Referring Domains, 732 Backlinks, alle Subdomains eingeschlossen. Das Ergebnis: 346 Domains - also 72% aller verlinkenden Domains -- qualifizierten sich als Disavow-Kandidaten.
Im Detail haben wir drei dominierende Spam-Muster identifiziert.
Erstens ein koordiniertes Directory-Netzwerk. Rund 20 Domains mit identischer URL-Struktur, alle auf "/most-visited-website-list-737/" endend. rankfastdirectory.com, mediapostdirectory.com, socialnewsdirectory.com - offensichtlich aus einer einzigen Quelle betrieben. Kein Zufall, kein organisches Linkbuilding. Eine systematische Spam-Operation.
Zweitens ein PBN-Cluster auf za.com. 49 Subdomains nach dem Muster "uplinke-seo-keyword.za.com". Ahrefs zeigt für die Root-Domain za.com einen DR von 90 - das ist Metric-Pollution durch den Hosting-Provider, nicht durch die Subdomains selbst. Jede einzelne dieser Subdomains ist inhaltlich wertlos.
Drittens klassische Spam-TLDs. 62 Domains auf .xyz, .click, .tk, .cf und pages.dev. Darunter Perlen wie "you-found-the-hidden-link.xyz" oder "dont-tell-anyone.click" - vermutlich Honeypots, die testen, ob SEO-Tools auf sie reagieren.
Hier wird es analytisch interessant. Parallel zur Spam-Welle haben wir Folgendes beobachtet: Der Domain Rating fiel um 6 Punkte. 41 organische Keywords gingen verloren. Der organische Traffic sank leicht. Und der Anstieg der Referring Domains im Ahrefs-Chart korreliert exakt mit dem Zeitraum, in dem die Spam-Links aufgebaut wurden.
Die Versuchung liegt nahe, eine kausale Verbindung herzustellen. Mehr Spam-Links, weniger Rankings - das scheint logisch. Aber Korrelation ist nicht Kausalität. Und genau hier machen viele SEOs einen folgenschweren Fehler.
Die Keyword-Verluste können ebenso gut durch Algorithm-Updates erklärt werden, durch Content-Decay auf den betroffenen Seiten, durch verstärkten Wettbewerb in den jeweiligen SERPs, oder durch eine Kombination dieser Faktoren. Wer vorschnell auf das Disavow-Tool setzt, behandelt möglicherweise das falsche Symptom.
Googles Position zum Disavow-Tool hat sich über die Jahre merklich verschoben. John Mueller und Gary Illyes haben wiederholt kommuniziert, dass der Algorithmus Spam-Links eigenständig identifiziert und für die Ranking-Berechnung ignoriert. SpamBrain - Googles Machine-Learning-System zur Spam-Erkennung - ist seit 2022 fester Bestandteil der Core-Algorithmen.
Das Disavow-Tool wird von Google explizit für zwei Szenarien empfohlen: Wenn du selbst aktiv Links aufgebaut hast, die gegen die Richtlinien verstossen. Oder wenn eine manuelle Massnahme in der Search Console vorliegt. Punkt. Für passiv empfangenen Spam - also genau das, was die meisten Webseitenbetreiber vorfinden - ist das Tool nach Googles eigener Aussage in der Regel nicht notwendig.
Es gibt eine Ausnahme, die in der SEO-Debatte zu selten differenziert wird: die Profilgrösse.
Bei einer Domain mit 50.000 Referring Domains verschwinden 137 Spam-Links im statistischen Rauschen. Google erkennt das Muster, ignoriert die Links, und das Ranking bleibt unberührt.
Bei einer Domain mit 244 Referring Domains sieht die Rechnung anders aus. Wenn über 50% der Neuzugänge in einem Halbjahr Spam sind, verschiebt sich das Signal-to-Noise-Ratio des gesamten Linkprofils. Die legitimen Backlinks -- in unserem Fall von Domains wie ithelps-digital.com mit DR 74 oder infoquell.de mit DR 40 -- werden in einem Meer von Rauschen verdünnt.
In dieser Konstellation ist ein Disavow als Hygiene-Massnahme vertretbar. Nicht weil Google die Spam-Links nicht erkennen würde. Sondern weil du bei einem kleinen Profil sicherstellen willst, dass die Signalqualität deiner legitimen Links maximal durchschlägt.
Bevor du das Disavow-Tool öffnest, solltest du drei Fragen in exakt dieser Reihenfolge beantworten.
Frage 1: Liegt eine manuelle Massnahme vor? Prüfe in der Google Search Console unter "Sicherheit und manuelle Massnahmen". Falls ja, wird das Disavow zwingend notwendig und sollte sofort umgesetzt werden. Falls nein, weiter zu Frage 2.
Frage 2: Gibt es Ranking-Verluste, die zeitlich mit dem Spam-Linkaufbau korrelieren? Exportiere deine Keyword-Rankings mit Zeitachse und lege sie gegen die First-Seen-Daten der Spam-Links. Wenn die Verluste vor der Spam-Welle begonnen haben oder mit bekannten Algorithm-Updates zusammenfallen, ist der Hebel wahrscheinlich nicht beim Backlink-Profil.
Frage 3: Wie gross ist dein Linkprofil relativ zum Spam-Anteil? Unter 500 Referring Domains mit einem Spam-Anteil von über 30% bei den Neuzugängen -- dann ist ein Disavow als Hygiene-Massnahme sinnvoll. Über 5.000 Referring Domains mit vereinzeltem Spam -- dann ist es Zeitverschwendung.
Die ehrliche Wahrheit: Die meisten Webseitenbetreiber, die stundenlang Disavow-Listen pflegen, würden mit derselben Zeit mehr erreichen, wenn sie sie in Content-Entwicklung oder den Aufbau legitimer Backlinks investieren.
Ein einzelner redaktioneller Backlink von einer themenrelevanten Domain mit echtem Traffic ist mehr wert als das Entfernen von 200 Spam-Links. In unserem eigenen Audit haben die 20 legitimen Neuzugänge -- redaktionelle Erwähnungen in Fachartikeln, Zitationen als Quelle in SEO-Ratgebern -- mehr Signalwert als die gesamte Disavow-Liste zusammen.
Der strategische Fokus sollte daher auf drei Massnahmen liegen: Erstens, bestehenden Content aktualisieren und vertiefen, insbesondere Seiten mit rückläufigem Traffic. Zweitens, Fachbeiträge und Thought-Leadership-Inhalte erstellen, die organisch verlinkt werden. Drittens, echte Partnerschaften aufbauen, die zu redaktionellen Backlinks führen.
Wir haben das Disavow-File für starsmedia.com erstellt. 346 Domains, sauber kategorisiert, nach Score-Modell bewertet, mit Whitelist-Schutz für eigene Properties und Kundenprojekte. Ob wir es hochladen, entscheiden wir nach der Ursachenanalyse der Keyword-Verluste -- nicht vorher.
Das ist der Punkt, den viele übersehen: Ein Disavow-File zu erstellen ist eine gute analytische Übung. Es zwingt dich, dein Linkprofil zu verstehen, Muster zu erkennen und die Qualität deiner Backlinks zu bewerten. Aber der Upload in die Search Console ist eine separate Entscheidung, die auf Daten basieren sollte -- nicht auf dem Gefühl, dass "aufräumen" besser ist als "nichts tun".
Manchmal ist die professionellste Entscheidung, das Tool nicht zu benutzen.
Du willst wissen, wie es um dein Backlink-Profil steht? Wir analysieren dein Linkprofil und geben dir eine klare Empfehlung, ob ein Disavow in deinem Fall sinnvoll ist -- oder ob deine Zeit besser in Content und Linkaufbau investiert ist. Kontaktiere uns fuer eine unverbindliche Erstanalyse.




